Rheinpfalz 2012-12-03

Musik statt Matheformel

Doppelkonzert mit den Bigbands der Universität und der Fachhochschule

-VON WALTER FALK-

Dass Studenten nicht nur über Büchern schwitzen, sich über komplizierte mathematische Formeln den Kopf zermartern oder architektonische Pläne schmieden, bewies das Bigband-Doppelkonzert amFreitagabend in der vollbesetzten Aula der Fachhochschule. Sowohl die Uni-Bigband als auch die Formation der FH erblühte in bester Bigband- und Swing-Manier.

Fest im Bigband-Jazz verankert und künstlerisch recht anspruchsvoll: Das sind seit Jahren die Stärken der Uni- Bigband, die eine feste Größe in der regionalen Jazzszene ist. Nicht zuletzt zu verdanken hat sie diesen Ruf ihrem Leiter, dem Saxophonisten Thomas Weithäuser.

Erstaunlich ist vor allem die enorme stilistische Bandbreite der Formation, die sowohl moderne Arrangements der traditionellen Bigband-Literatur als auch Stücke zeitgenössischer Komponisten umfasst. So erlebten die Besucher auch hier wieder ein höchst spannendes Konzert mit begeisternden solistischen Einlagen und raffiniert gesetzten Gesangsnummern.

Weithäuser zögerte auch nicht lange und ließ seine Leute bei dem Stück „Blue Than Blue“ gleich Vollgas geben. Das war die mitreißende Bigband-Power mit einer Bläser-Sektion in Bestform. Die grummelte wie ein drohendes Gewitter, strahlte hell und klar, punktgenau akzentuiert in erstaunlichen Höhenflügen. 

Hochglanzpolierten, modernen Jazz bis in die ausgefeiltesten Nuancen zeigte das Ensemble hingegen in Björks Nummer „Anchor Song“. Einen kompletten Farbkasten schütteten da die Musiker über den faszinierten Hörer. Angefangen mit dem samtweichen Tenorsaxophon-Sound strömte die Musik dahin wie ein sanfter Fluss, entwickelte sich immer breiter, expressiver, nicht ohne etliche eingebaute Stromschnellen mit verblüffender Leichtigkeit zu überwinden.

Herausragend dabei das gedämpfte Spiel der Trompeten, die ruhigen und dennoch virtuosen Läufe des Volker Maag am Klavier, der herrlich gebundene Gesang von Katja Welck-Möhnen, das eindringliche Legato der gesamten Band.

Gegen Ende des Stücks brannte dann doch noch der Zwölfzylinder-Motor,wie mit 350 PS imHintern, ein ungemein flexibles Staccato ab. Gerade dieser Kontrast zwischen der geballten Kraft einerseits und den Silberfadenstimmen andererseits nahm den Hörer gefangen.

Katja Welck-Möhnen war die Entdeckung des Abends. Sie zeigte nicht nur Präsenz und Expressivität, sie imponierte auch mit ihrem nahezu perfekten Jazz-Feeling. Dieses hat sowieso Rolf John, der unterhaltsam, virtuos, spritzig-witzig und so elegant wie die Schuhspitzen von Fred Astair sang und moderierte. Gefallen konnten auch Philipp Hasper und Johannes Schildgen bei ihrem witzigen Gesangsdebüt im abschließenden „Me And My Shadow“.

Bei der FH-Bigband gilt die Devise „Die Mannschaft ist der Star“. Solistisch ist sie nicht besonders gut bestückt, aber der erfahrene Leiter Viktor Loos bewies, dass das Ganze stets mehr ist als die Summe der einzelnen Komponenten. So standen seine Formationen für den unterhaltsamen Swing der reinen Lehre mit Original-Arrangements aus der Swing-Ära wie Frank Forsters „Shiny Stockings“.

Aber sie entfachte auch mitreißenden Groove mit Funk, Rock und Soul oder sorgte mit kubanischen Hitzegraden für schwüle Lässigkeit. Auch diese Band spielte nicht lange um den heißen Brei herum. In bester Spiellaune drückte auch sie ordentlich aufs Bigband-Gas. Da brannte schon mal die Luft, wenn die Bläser wie Dolchstöße in die Groovereise hinein stießen. Für Hitze sorgte auch die vorwärtstreibende Rhythmusgruppe, die aufregend perlenden Notenketten auf Piano und Gitarre. Das war nichts für den gemütlichen Abend und erst recht nichts für sanfte Gemüter. Besonders wenn Djulia das Mikro ergriff. Mit ihrer Stimme, die in poppigen Balladen sanft und einschmeichelnd klingt, in den rockigeren Stücken hingegen ordentlich losröhren kann, begeisterte sie alle. Viel Beifall für alle Beteiligten.

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